Seit wann gibt es Krieg in Afghanistan
Wussten Sie, dass der Krieg in Afghanistan bereits 1978 begann und seitdem eine Reihe von bewaffneten Konflikten umfasst, die bis heute andauern? Ein tiefgreifender Einblick in die Ursprünge und den Verlauf dieses Konflikts zeigt, dass der Afghanistankrieg nicht nur ein internes Problem ist, sondern stark von äußeren Mächten beeinflusst wurde. Während der sowjetischen Intervention, die im Dezember 1979 begann und bis Februar 1989 dauerte, starben schätzungsweise etwa 1 Million Afghanen, und rund 4 Millionen Menschen flohen in die Nachbarländer Iran und Pakistan.
Seit der Machtübernahme der Taliban im September 2021 steht das Land erneut im Fokus der internationalen Gemeinschaft. Die Entwicklungen, die zu diesem Punkt führten, sind tief in der globalen Politik und den regionalen Dynamiken verwurzelt. Die US-amerikanische Unterstützung für afghanische Islamisten während des sowjetischen Krieges betrug beispielsweise bis zu 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr, was den Konflikt bedeutend befeuerte und die Taliban Afghanistan nachhaltig prägte.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Krieg in Afghanistan begann 1978 und dauert bis heute an.
- Die sowjetische Intervention dauerte von 1979 bis 1989 und führte zu hohen Opferzahlen.
- Rund 4 Millionen Afghanen flohen während der sowjetischen Besatzung in Nachbarländer.
- Die US-Unterstützung für afghanische Islamisten betrug während des sowjetischen Krieges bis zu 1 Milliarde US-Dollar pro Jahr.
- Die Taliban übernahmen im September 2021 erneut die Macht in Afghanistan.
Ursachen des Konflikts in Afghanistan
Die Ursachen Afghanistankonflikt sind tief verwurzelt und vielgestaltig. Wesentliche Ursachen des Konfliktes finden sich in der historischen Spannung zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, die entweder Modernisierungsprozesse befürworteten oder sich diesen widersetzten. Diese Spannung ist seit den Reformen von Amanullah Khan in den 1920er Jahren präsent und wurde oft durch externe Einflüsse verstärkt. Auch die geografische Position Afghanistans, umgeben von mächtigen Nachbarstaaten, spielte eine Rolle, da es oft als Schauplatz für größere geopolitische Auseinandersetzungen diente.
Al-Qaeda wurde 1987 gegründet, um die Mudschaheddin im Kampf gegen die sowjetische Besatzung zu unterstützen. Vor den Anschlägen vom 11. September 2001 betrug die geschätzte Zahl der Al-Qaeda-Kämpfer in Afghanistan zwischen 80 und 120. Nach den Anschlägen stieg die Zahl der Al-Qaeda-Kämpfer angeblich auf etwa 3.000, obwohl diese Zahl möglicherweise aufgebläht ist. In einem UN-Bericht aus dem Februar 2021 wurde die Gesamtzahl der Al-Qaeda-Mitglieder und ihrer Verbündeten in Afghanistan auf 200 bis 500 geschätzt.
Die Taliban-Militärmacht umfasst etwa 350.000 Soldaten, Polizisten und Mitglieder oft halbkrimineller Milizen. Die Taliban haben eine signifikante Präsenz in etwa der Hälfte Afghanistans, wo sie eine Parallelregierung entwickelt haben. Berichte deuten darauf hin, dass die Taliban im Vergleich zu ihrer Herrschaft vor 2001 flexibler in der Regierungsführung sind und Schulen und Krankenhäuser verwalten. Ihr Führungsgremium besteht vorwiegend aus älteren Geistlichen aus der paschtunischen Region Kandahar, während jüngere Führer aus Minderheitengruppen wie Usbeken und Tadschiken an Einfluss gewinnen.
Kategorie | Schätzung vor 9/11 | Schätzung nach 9/11 | Schätzung 2021 |
---|---|---|---|
Al-Qaeda Kämpfer | 80-120 | ca. 3.000 | 200-500 |
Taliban Kräfte | – | ca. 350.000 | – |
Die Taliban haben in ihrem Abkommen vom Februar 2020 mit den USA zugesagt, Al-Qaeda oder anderen Terrorgruppen nicht zu erlauben, in Afghanistan zu operieren. Ihre militärische Strategie nutzt ausländische Kämpfer als „Kanonenfutter“ an der Front, was zu einer hohen Fluktuation unter ihren Reihen aufgrund der Kriegsverluste führt.
33 Millionen Menschen in Afghanistan sind von Ernährungsunsicherheit betroffen, was mehr als der Hälfte der Bevölkerung entspricht. Die humanitäre Krise wird durch Kürzungen im Bereich der Entwicklungshilfe verstärkt, was zu einem dramatischen Anstieg von Unterernährung und Krankheiten führt.
Afghanistankrieg: Historischer Überblick
Der Verlauf des Afghanistankriegs kann in mehrere Phasen unterteilt werden, beginnend mit der kommunistischen Machtübernahme und der darauf folgenden sowjetischen Invasion 1979. Die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) übernahm 1978 die Macht in Kabul, was zur sowjetischen Intervention führte. Am 25. Dezember 1979 überschritten rund 40.000 Soldaten der Roten Armee die Grenze zu Afghanistan. Bis Januar 1980 zogen die Sowjets 75.000 Soldaten zusammen, und die sowjettreue Regierung in Kabul wurde unter Babrak Karmal und später unter Mohammed Najibullah geführt.
Während dieses Zeitraums kam es zu einem intensiven Guerillakrieg, geführt von den islamistischen Mudschaheddin, die von den USA mit rund drei Milliarden US-Dollar unterstützt wurden. Ab Mitte der 1980er Jahre erhöhte die Sowjetunion ihre Truppenstärke auf über 100.000 Soldaten, doch die Mudschaheddin kontrollierten bis Mai 1988 etwa 60 Prozent des Landes. Der Rückzug der sowjetischen Truppen begann und wurde am 15. Februar 1989 abgeschlossen.
Die nachfolgende Zeit war geprägt vom Bürgerkrieg und dem Aufstieg der Taliban, die 1996 die Macht übernahmen. Dies führte zur US-Intervention Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die US-Intervention Afghanistan führte zum Sturz der Taliban-Regierung und löste einen langwierigen, komplexen Konflikt aus. Trotz der US-Intervention kamen die Taliban zunehmend zurück und übernahmen im August 2021 erneut die Kontrolle über Kabul.
Seit wann gibt es Krieg in Afghanistan
Der officielle Beginn Krieg Afghanistan lässt sich auf die kommunistische Machtergreifung im Jahr 1978 datieren, was den Ausgangspunkt der blutigen Historie des Konflikts Afghanistan bildet. Die daraus resultierende sowjetische Invasion im Dezember 1979 markierte jedoch eine entscheidende Eskalation. In diesen ersten Jahren des Konflikts starben schätzungsweise eine Million Afghanen, und Millionen weitere flohen in die Nachbarländer Iran und Pakistan.
Dieser Konflikt hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt und unterschiedlicher Phasen durchlaufen. Die USA unterstützten während der sowjetischen Besatzung mit umfangreichen Hilfsleistungen die afghanischen Mudschahedin, wodurch der Konflikt eine neue Dimension annahm. Ab 2001, unmittelbar nach den Terroranschlägen am 11. September, begann die US-geführte Operation Enduring Freedom.
Am 7. Oktober 2001 erfolgte die erste Offensive gegen die Taliban durch die NATO. Bereits am 13. November 2001 wurde die Hauptstadt Kabul eingenommen, und bis Dezember 2001 wurde die internationale Schutztruppe ISAF durch die UN-Resolution 1386 gegründet. Trotz des offiziellen Endes des NATO-Kampfeinsatzes im Dezember 2014 und dem Abzug der meisten Truppen im Jahr 2021, bleiben die Spuren des Konflikts in Afghanistan stark erkennbar.
Die Auswirkungen des andauernden Konflikts auf die afghanische Zivilbevölkerung sind enorm. Seit dem Beginn Krieg Afghanistan gab es unzählige Opfer unter den Zivilisten. Zwischen 2009 und Mitte 2014 wurden rund 15.500 afghanische Zivilisten bei Kampfhandlungen getötet, mit insgesamt mehr als 43.000 zivilen Opfern bis November 2019.
Heute ist Afghanistan weiterhin geprägt von Gewalt, Terrorismus und Instabilität. Trotz internationaler Bemühungen und finanzieller Unterstützung, wie der Afghanistan-Geberkonferenz in Brüssel, bleibt die Lage im Land instabil. Der Krieg in Afghanistan war nicht nur ein lokaler Konflikt, sondern hat sich zu einem weltweiten Symbol für den Kampf gegen Terrorismus entwickelt.
Der aktuelle Zustand des Afghanistan-Konflikts
Seit der Taliban Machtübernahme im August 2021 hat sich die Aktuelle Situation Afghanistan dramatisch verändert. Die Taliban übernahmen die Kontrolle über die politischen Institutionen, und die wirtschaftliche und soziale Lage verschlechterte sich rapide. Trotz Versprechungen einer moderateren Regierungsführung und Inklusion sind Frauen und Mädchen weiterhin geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Gewalt ausgesetzt. Das zeigt sich unter anderem daran, dass 2021 Frauen in Ministerien aufgefordert wurden, zu Hause zu bleiben, während ihre männlichen Kollegen die Arbeit wieder aufnahmen. Gleichzeitig dürfen Frauen in vielen Teilen des Landes ihren Arbeitsplatz nicht betreten oder werden nach Hause geschickt. Einzige Ausnahme sind Bereiche wie das Passamt, der Flughafen von Kabul und der Gesundheitssektor.
Frauen, die zuvor in der Regierung tätig waren, haben nun keine offiziellen Positionen mehr. Vor der Machtübernahme der Taliban waren in der Regierung von Präsident Ghani 4 Kabinettsposten von Frauen besetzt. In der Übergangsregierung der Taliban gibt es hingegen keine einzige Frau. Das Ministerium für Frauenangelegenheiten sowie die entsprechenden Provinzbüros wurden aufgelöst. Anwältinnen, Richterinnen und Staatsanwältinnen erhielten faktisch Berufsverbot und müssen seither untertauchen.
Die Sicherheitslage bleibt prekär, was sich in den anhaltenden Angriffen des ISKP zeigt. Zwischen Januar und Juni 2021 registrierte das Ministerium für Frauenangelegenheiten 1.518 Fälle von Gewalt gegen Frauen, darunter 33 Morde. Seit August 2021 wurden die rechtlichen und anderweitigen Unterstützungsmechanismen für Frauen schrittweise abgeschafft, was zu einer Eskalation der Gewalt geführt hat.
Die humanitäre Krise hat sich ebenfalls verschärft. Rund 360.000 Menschen mussten seit Januar 2021 ihre Häuser verlassen und täglich fliehen etwa 30.000 Menschen. Afghanistan ist nach Syrien das Land mit der zweitgrößten Anzahl an Vertriebenen weltweit. Achtzehn Millionen Menschen in Afghanistan sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen, während die Zahl der zivilen Opfer neue Rekordwerte erreicht hat. Die meisten Opfer sind Frauen und Kinder.
Organisationen wie das IRC haben Spendenaufrufe gestartet, um dringend benötigte Mittel zu beschaffen. Das IRC erreicht jedes Jahr mehr als eine Million Menschen in Afghanistan mit Bildungs- und Schutzangeboten, Zugang zu Wasser und sanitären Einrichtungen, Nothilfe und Maßnahmen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau.
Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung
Die Zivilbevölkerung Afghanistans hat extensiv unter den jahrzehntelangen Konflikten gelitten. Laut Weltbank lebt die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze, und 69 % der Afghaninnen und Afghanen können ihren Lebensunterhalt nicht decken. Diese Zahlen verdeutlichen die dramatische humanitäre Krise in Afghanistan, die durch die wirtschaftlichen Sanktionen und eingefrorenen Budget- und Währungsreserven von etwa 9 Milliarden US-Dollar weiter verschärft wird.
Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen, da 43 % der Bevölkerung Afghanistans jünger als 15 Jahre sind. Jährlich erreichen mehr als eine halbe Million junge Menschen das erwerbsfähige Alter, doch die prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt bietet kaum Perspektiven. Zudem hat das Verbot des Anbaus von Schlafmohn, Cannabis und Ephedra vielen Familien ihre Lebensgrundlage genommen. Mehr als eine halbe Million Afghanen und Afghaninnen wurden seit Oktober 2023 von Pakistan abgeschoben, und die geplante Abschiebung weiterer 800.000 Menschen wird die humanitäre Krise in Afghanistan vermutlich noch weiter verschärfen.
Frauen und Mädchen leiden besonders unter der aktuellen politischen Lage. Der Zugang zur Bildung und Gesundheitsversorgung, der seit 2002 durch internationale Unterstützung verbessert wurde, steht erneut unter enormem Druck. Vor der Machtübernahme durch die Taliban waren vier Millionen Kinder nicht in der Schule, davon drei von fünf Mädchen. Die aktuelle Herrschaft hat das Verbot für ältere Mädchen, die Schule zu besuchen, erneut verschärft, was die Lage noch problematischer macht. Ein weiteres großes Problem ist die Ernährungssicherheit: Schätzungen zufolge leben etwa 14,8 Millionen Afghanen mit hohen akuten Nahrungsunsicherheiten, und mehr als 867.000 Kinder sind akut unterernährt, was eine lebensbedrohliche Gefahr darstellt.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, effektive Wege zu finden, um Unterstützung zu leisten und gleichzeitig die Menschenrechte zu fördern. Der Zugang zu Grundbedürfnissen wie Bildung, Gesundheitsversorgung und Nahrung muss dringend gewährleistet werden, um die humanitäre Krise in Afghanistan zu lindern und den Zivilisten Afghanistans ein Leben in Würde zu ermöglichen.